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Der Papst reist nach Uruguay – in ein Land, in dem Weihnachten „Tag der Familie“ heißt

Im November 2026 soll Uruguay den Papst erstmals seit fast vierzig Jahren empfangen. Auch diese Nachricht klingt für Uruguay ungewöhnlich.

Der Papst reist nach Uruguay: in ein Land, in dem Weihnachten „Fest der Familie“ heißt

Der Papst reist nach Uruguay. In ein Land, in dem Weihnachten „Fest der Familie“ heißt

Anna Bamburova

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Im November 2026 soll Uruguay den Papst zum ersten Mal seit fast vierzig Jahren empfangen. Und schon diese Nachricht klingt für das Land ungewöhnlich.

Uruguay gilt als eines der säkularsten Länder Lateinamerikas. Die Kirche ist seit über hundert Jahren vom Staat getrennt. Die Osterwoche heißt offiziell „Tourismuswoche“, Weihnachten „Fest der Familie“. Laut Latinobarómetro ordnet sich mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes überhaupt keiner Religion zu.

Und genau dorthin reist der Papst nun.

Vielleicht ist das der Grund, warum der Besuch weit über die Gläubigen hinaus diskutiert wird. Für Uruguay wirkt er weniger wie ein religiöses Ereignis als wie ein seltener historischer Moment, in dem ein kleines Land plötzlich im Mittelpunkt der weltweiten Aufmerksamkeit steht.

Wer ist Leo XIV?

Der aktuelle Papst heißt Robert Prevo. Er wurde in Chicago geboren und wurde zum ersten Amerikaner auf dem Stuhl Petri.

In Lateinamerika wird er jedoch anders wahrgenommen. Prevo lebte fast zwanzig Jahre in Peru, erhielt die peruanische Staatsbürgerschaft und arbeitete als Missionar und Bischof. Für die Region wirkt er nicht wie jemand aus dem fernen Vatikan.

Nach dem Tod von Franziskus kam seine Wahl überraschend. Der neue Papst trat zurückhaltender und ruhiger auf, behielt jedoch die zentralen Themen des vorherigen Pontifikats bei: Armut, Migration und soziale Ungleichheit.

In seiner Weihnachtsansprache sprach er über Migranten, die das Mittelmeer und die Grenzen Amerikas überqueren. Während des Konflikts um Abschiebungen in den USA geriet er offen mit der Trump-Regierung aneinander und sagte, dass die Kirche nicht schweigen solle, wenn es um die Menschenwürde gehe.

Warum Uruguay so sehr auf diesen Besuch gewartet hat

Uruguay hatte den Papst schon seit Langem eingeladen.

Und hier gibt es eine beinahe persönliche Geschichte. Franziskus, ein Argentinier, besuchte das benachbarte Uruguay in den zwölf Jahren seines Pontifikats kein einziges Mal, obwohl er viele Länder der Region bereiste.

Für die Uruguayer ist dies beinahe zum Symbol der Beziehungen zwischen den beiden Ländern geworden. Argentinien ist immer groß, laut und auffällig. Uruguay liegt daneben, etwas abseits.

Daher wird die mögliche Ankunft von Leo XIV. von vielen als Begleichung einer alten Schuld wahrgenommen.

Im Herbst 2025 reiste Präsident Yamandú Orsi mit einer offiziellen Einladung in den Vatikan. Er überreichte dem Papst eine Taubenskulptur von Pablo Atchugarri und sprach über den Frieden als zentrales Thema des Treffens.

Im Januar 2026 traf der Erzbischof von Montevideo, Kardinal Daniel Sturla, den Papst in Rom. Beim Abschied sagte Leo XIV. zu ihm einen kurzen Satz:

"Wir sehen uns in Uruguay."

Seitdem wird sie im Land beinahe als Bestätigung des Besuchs zitiert.

Wohin der Papst reisen wird

Die wichtigsten Veranstaltungen werden wahrscheinlich in Montevideo und Florida stattfinden.

In der Hauptstadt stehen zwei Orte für eine große Messe zur Diskussion: das Estadio Centenario und die Avenida del Libertador. Für das Land ist dies auch ein Stück Erinnerungskultur. 1987 versammelte Johannes Paul II. rund 150.000 Menschen auf dem Platz nahe dem heutigen Tres Cruces. Heute steht dort ein Busbahnhof.

Florida ist eine ganz andere Geschichte: eine kleine Stadt, hundert Kilometer von der Hauptstadt entfernt, in der sich das Heiligtum der Jungfrau der Dreiunddreißig befindet, der wichtigsten katholischen Schutzpatronin Uruguays.

Während des Befreiungskrieges im 19. Jahrhundert nahmen die Aufständischen eine hölzerne Marienstatue auf ihre Feldzüge mit. 1988 weihte Johannes Paul II. ihr ganz Uruguay.

Jetzt diskutieren die Einheimischen bereits darüber, wie sie die Pilger empfangen sollen. Die Stadt ist klein, hat rund 33.000 Einwohner, und viele wissen, dass die Hotels schlicht nicht ausreichen werden.

Wie sich das Land vorbereitet

Obwohl der Vatikan noch keine offiziellen Termine bekannt gegeben hat, laufen die Vorbereitungen bereits.

Die Kirche hat Kommissionen für die Organisation der Veranstaltungen, die Sicherheit und die Kommunikation eingerichtet. Die Behörden diskutieren Straßensperrungen, Routen für die Wagenkolonne und den Verkehr.

In Florida erhielten Hotels bereits Buchungen, noch bevor das Besuchsprogramm veröffentlicht wurde. In einigen Geschäften sind bereits Bilder des Papstes aufgetaucht. Bürgermeister verschiedener Städte schicken dem Erzbischof Fotos ihrer zentralen Plätze, in der Hoffnung, dass der Papst auch zu ihnen kommt.

Für Montevideo ist es auch eine Gelegenheit, sich der internationalen Presse zu präsentieren. Päpstliche Besuche ziehen immer Journalisten aus der ganzen Welt an, und in Uruguay sind solche Momente selten.

Das Land, in das er kommt

Uruguay wurde sehr früh und ganz bewusst säkular.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts führte Präsident José Batlle y Ordóñez Reformen ein, die für Lateinamerika jener Zeit radikal wirkten. Religion wurde aus den öffentlichen Schulen entfernt, die Kirche endgültig vom Staat getrennt, und religiöse Feiertage erhielten neutrale Namen.

Diese Namen bestehen bis heute fort. Die Uruguayer haben offiziell nicht zu Ostern frei, sondern während der „Tourismuswoche“.

Das Land war dabei nie aggressiv antireligiös. Sein Verhältnis zur Kirche war vielmehr gelassen und von großer Distanz geprägt.

Laut dem Pew Research Center bezeichnen sich etwa 42 % der Bevölkerung als katholisch. Es gibt jedoch deutlich weniger aktiv praktizierende Gläubige. Viele lassen ihre Kinder taufen oder sich kirchlich trauen, eher als Teil einer Familientradition.

Deshalb wird die Ankunft des Papstes hier anders wahrgenommen als in Brasilien oder Mexiko. Nicht als gewohnheitsmäßige Fortsetzung des religiösen Lebens, sondern als ein Ereignis, das weit über die Grenzen der Kirche hinausgeht.

Was Uruguayer selbst sagen

Das Interessanteste geschieht derzeit nicht einmal in offiziellen Erklärungen, sondern in Kommentaren und Gesprächen.

Auf Reddit schrieb ein Benutzer:

„Ich bin Atheist, aber ich möchte es trotzdem sehen. So etwas erlebt man in Uruguay nur einmal im Leben.“

In ähnlichen Diskussionen streiten die Menschen nicht so sehr über Religion wie über das Land selbst. Einige freuen sich, dass Uruguay endlich in den internationalen Nachrichten auftaucht. Andere fragen, wie viel Geld für Sicherheit und Straßensperrungen ausgegeben wird.

Jemand scherzt:

„Hauptsache, der Papst sieht nicht, wie es um die Ciudad Vieja steht.“

Nach der Wahl von Leo XIV. im Jahr 2025 verbreitete sich in den uruguayischen sozialen Netzwerken ein Meme: Ein Kind fragt seine Mutter, ob es „Papa“ gibt, und sie antwortet: „Gestern habe ich welche gekauft“ – sie versteht die Frage als Frage nach Kartoffeln.

In Uruguay verwandeln sich selbst große Weltereignisse schnell in Selbstironie.

Aber hinter den Witzen steckt eine andere Stimmung. Die Leute sind wirklich neugierig. Auch diejenigen, die nie in die Kirche gehen.

Geschichte der päpstlichen Besuche

Leo XIV. wird erst der zweite Papst der modernen Geschichte sein, der Uruguay besucht.

Der erste war Johannes Paul II. Er kam zweimal, 1987 und 1988. Damals kehrte das Land nach der Militärdiktatur gerade erst ins normale Leben zurück, und seine Besuche wurden nicht nur als religiöse, sondern auch als gesellschaftliche Ereignisse wahrgenommen.

Hunderttausende Menschen gingen auf die Straße.

Die Reise von Johannes Paul II. in die Stadt Melo inspirierte später den berühmten uruguayischen Film „Das Bad des Papstes“. Er erzählt von einem armen Bewohner einer Grenzstadt, der versucht, am Pilgerstrom zu verdienen.

Seitdem sind fast vierzig Jahre vergangen. Während dieser Zeit wurde Uruguay noch säkularer, noch liberaler und sah immer weniger wie ein typisches katholisches Land Lateinamerikas aus.

Vielleicht ist das der Grund, warum der Besuch des Papstes hier auf so großes Interesse stößt. Denn in Uruguay geht es dabei nicht nur um Religion. Es ist eine Geschichte über die Identität des Landes, seinen Platz in der Region und das seltene Gefühl eines Moments, der plötzlich alle berührt.

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